Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist und in unterschiedlichen Ausprägungen auftritt. Während ein gesundes Maß an Selbstwertgefühl und Selbstbehauptung durchaus positiv sein kann, sind pathologische Formen des Narzissmus oft mit einem Mangel an Empathie, Rücksichtnahme und Respekt gegenüber anderen verbunden. Für die Menschen im Umfeld von Narzisst:innen kann der Umgang eine große Herausforderung sein – sei es in Partnerschaften, Familien, Freundschaften oder am Arbeitsplatz.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein übersteigertes Selbstbild, den Wunsch nach Bewunderung und Anerkennung, mangelnde Einfühlung in die Bedürfnisse anderer und oft auch durch ausbeuterisches oder manipulatives Verhalten. Narzisst:innen sind meisterhaft darin, andere für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht gut genug zu sein. In Beziehungen mit Narzisst:innen kann es leicht passieren, dass man sich selbst verliert, die eigenen Grenzen überschreitet und in eine Abhängigkeit gerät.

Um sich vor den negativen Auswirkungen einer narzisstischen Beziehung zu schützen, ist es zunächst wichtig, die Dynamik zu verstehen und zu durchschauen. Narzisst:innen sind oft charmant und einnehmend, solange man ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit und Bewunderung entgegenbringt. Kritik oder Widerspruch hingegen werden meist mit Ablehnung, Wut oder Rückzug bestraft. Dieses Muster kann dazu führen, dass man sich ständig anpasst, die eigenen Bedürfnisse zurückstellt und sich klein macht, um den Frieden zu wahren.
Ein erster Schritt, um diesem Kreislauf zu entkommen, ist die Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls und der eigenen Grenzen. Dazu gehört, sich der eigenen Stärken, Werte und Bedürfnisse bewusst zu werden und diese auch klar zu kommunizieren. Es ist wichtig, ein stabiles Selbstbild aufzubauen, das unabhängig von der Anerkennung oder Kritik anderer ist. Hilfreich können dabei Techniken aus der Achtsamkeit, dem Selbstmitgefühl oder der Ressourcenarbeit sein, wie sie zum Beispiel in dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl beschrieben werden.
Gleichzeitig gilt es, Grenzen zu setzen und diese zu verteidigen, auch wenn dies Konflikte mit sich bringen kann. Das bedeutet, Nein zu sagen, wenn einem etwas nicht guttut, sich nicht für die Gefühle oder Verhaltensweisen des anderen verantwortlich zu machen und sich nicht in Diskussionen oder Rechtfertigungen verwickeln zu lassen. Narzisst:innen beherrschen die Methoden der Manipulation und des Gaslighting perfekt – umso wichtiger ist es, bei der eigenen Wahrnehmung und Intuition zu bleiben und sich nicht verunsichern zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Pflege eines unterstützenden Netzwerks außerhalb der narzisstischen Beziehung. Der Kontakt zu Menschen, die einen wertschätzen und bestärken, kann ein wertvolles Gegengewicht zu den negativen Erfahrungen mit Narzisst:innen sein. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, sei es in Selbsthilfegruppen oder Foren, kann entlastend und stärkend wirken.
Nicht zuletzt kann es in manchen Fällen auch notwendig sein, die Beziehung zu Narzisst:innen zu beenden oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. Gerade wenn die eigene psychische oder physische Gesundheit gefährdet ist, wenn Gewalt oder Missbrauch im Spiel sind oder wenn alle Versuche der Abgrenzung und Kommunikation gescheitert sind, kann ein Kontaktabbruch der einzige Weg sein, um sich zu schützen. Dies ist oft ein schwieriger und schmerzhafter Prozess, der von Schuldgefühlen, Trauer und Verlustängsten begleitet sein kann. Umso wichtiger ist es, sich dabei professionelle Hilfe und Unterstützung zu holen, sei es durch eine Psychotherapie oder eine Beratungsstelle.
Der Umgang mit Narzisst:innen erfordert jedenfalls ein hohes Maß an Selbsterkenntnis, Selbstfürsorge und Abgrenzung. Wesentlich ist es, die eigene Integrität zu bewahren, ohne sich selbst zu verlieren oder die Verantwortung für das Verhalten des anderen zu übernehmen. Mit der richtigen Unterstützung, Achtsamkeit und Übung ist es aber durchaus möglich, auch aus narzisstischen Beziehungen zu lernen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Sofern Sie sich in einer Beziehung mit Narzisst:innen wiederfinden und merken, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen, scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen. Erinnern Sie sich immer wieder daran, dass Sie wertvoll und liebenswert sind, unabhängig von der Bestätigung oder Kritik anderer. Melden Sie sich gern bei mir!
Literatur:
Noack, K. (2012): Zuviel ist zu viel! Umgang mit Narzissten. 42 Tipps für die Kommunikation mit Narzissten. Online: https://www.karstennoack.de/zu-ist-zuviel-umgang-mit-narzissten [zul. abger. am 16.04.2026]
Siem, E. (o.J.): Umgang mit Narzisst:innen: Strategien für den Alltag. Online: https://www.7mind.de/magazin/umgang-mit-narzissten [zul. abger. am 16.04.2026]
Stahl, S. (2015): Das Kind in dir muss Heimat finden: Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme. Kailash.
